Vom 23.-27.7.2025 wurden im Rahmen des Indischen Filmfestivals Stuttgart wieder zahlreiche Filme gezeigt und bei vielen Screenings waren im Anschluss auch die Filmschaffenden vor Ort, um die Antworten des neugierigen Publikums zu beantworten. Schon seit Jahren bekommt man hier die Chance mit den Gästen ins Gespräch zu kommen und vor allem auch vielversprechende Talente kennenzulernen, von denen wir sicher noch mehr hören werden. Einige von ihnen werden in der Preisverleihung zum Schluss auch ausgezeichnet.
Den mit 1000 Euro dotierten Hauptpreis „German Star of India“ gewann in diesem Jahr Vinod Kapri (PIHU) für seinen Hindi-Spielfilm PYRE, der von einem vereinsamten, älteren Paar im Himalaya handelt. Laut Festival-Jury, handelte es sich um den besten Spielfilm des Wettbewerbs: Er sei ein „filmisches Gedicht und eine Hommage an eine Generation, die im Zuge des Fortschritts eines Landes und des Aufbruchs ihrer Folgegenerationen vergessen wird“. In wunderschönen, cineastischen Bildern vor der überwältigenden Kulisse des Himalayas, gepaart mit beeindruckender Schauspielführung, voller Empathie, sensibel, simpel und zugleich unglaublich komplex, erschaffe dieser Film ein Gefühl unendlicher Traurigkeit, die zutiefst berührt.
Der Preis für die beste Dokumentation ging an Regisseurin Rafina Khatun für LOG KYA KAHENGE – WHAT WILL PEOPLE SAY, in dem eine junge, muslimische Radiomoderatorin sich für Randgruppen einsetzt und zum Schweigen gebracht werden soll. „Die Regisseurin Rafina Khatun schafft es, dass ihre Dokumentation weit über den Film hinauswirkt“, erläutert die Dokumentarfilm-Jury. „Die Bilder bleiben spielerisch und einfühlsam gefilmt. Der Film ist das perfekte Beispiel dafür, dass die Konzentration auf einfühlsames Erzählen die Menschen weit mehr erreichen kann als Filme, die auf technische Effekte setzen.“
In der Kategorie Kurzfilm setzte sich ALMARI KA ACHAAR – CUPBOARD PICKLE gegen die starke Konkurrenz durch. Der Film über zwei Männer, die durch ihr gemeinsames Lieblingsgericht, ihre Liebe zueinander entdeckt haben, sei nach Meinung der Jury eine zutiefst emotionale Reise. „In einer Zeit, in der weltweit gegen die sexuelle Selbstbestimmung und die öffentliche Sichtbarkeit nicht-heterosexueller Partnerschaften vorgegangen wird, bietet ‚ALMARI KA ACHAAR – CUPBOARD PICKLE‘ einen
Hoffnungsschimmer und vermittelt eine wichtige Botschaft: Dass Aufrichtigkeit die Voraussetzung für echte und nachhaltige Veränderungen ist.“
SOCH – A PERCEPTION, in dem ein Verbrechen eine alte Debatte über Hass und Religion anfacht, wurde mit dem Director’s Vision Award ausgezeichnet und auf die Vorstellung am letzten Festival-Tag folgte auch eine der angeregtesten und informativsten Fragerunden. Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: „Regisseur Ravi Gautam zeigt auf wunderbare Weise, wie wichtig es ist, sich nicht von Emotionen in Konflikte hineinziehen zu lassen. Er zeigt aber auch, wie schwierig es für Frauen ist, sich in einem von Männern dominierten Beruf wie dem Polizeidienst zu behaupten.“
Den Publikumspreis erhielt die Dokumentation ZERO SE RESTART über die Entstehung des Bollywood-Hits 12th Fail von Vidhu Vinod Chopra (PARINDA, 1942: A LOVE STORY). Regisseur Jaskunwar Kohli, der bei der Entstehung des Films selbst beteiligt war, zeigt darin einen erfrischend ehrlichen Blick hinter die Kulissen eines Überraschungshits, bei dem deutlich wird, dass die größten „Genies“ im Filmgeschäft auch oft lange nicht wissen, wonach sie suchen, bis sie es mit eigenen Augen sehen.

Aber auch die Regisseure und Regisseurinnen, die in diesem Jahr nicht gewonnen haben, konnten sich in Stuttgart austauschen und die Stadt entdecken. Onir (PINE CONE, I AM), der schon häufiger zu Gast war bei dem Festival und dieses Mal mit seiner in Kaschmir angesiedelten, queeren Liebesgeschichte WE ARE FAHEEM & KARUN angereist ist, genoss zum Beispiel seinen Besuch auf der Pride Parade, die passenderweise an dem gleichen Wochenende stattfand. Wir sind gespannt, ob es im nächsten Jahr dann ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern geben wird. Mehr über die Highlights 2025 gibt es ab September in der ISHQ 197 zu lesen.
