Neuer Bhansali-Film mit Alia Bhatt im Kino: GANGUBAI KATHIAWADI

Nach der Premiere auf der Berlinale startet der neue Film von Sanjay Leela Bhansali mit Alia Bhatt in der Hauptrolle als Mafia-Königin ab dem 25. Februar im Kino auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch was erwartet uns bei GANGUBAI KATHIAWADI, der auf einer realen Geschichte aus dem Buch „Mafia Queens of Mumbai“ von S. Hussain Zaidi und Jane Borges basiert?

Filminhalt: Die junge Ganga wird von ihrem Verlobten hinters Licht geführt: Er verspricht ihr eine Filmkarriere, um sie vom Land nach Mumbai zu locken, wo er sie an ein Bordell in Kamathipura verkauft, in den 1950er-Jahren Indiens größter Rotlichtbezirk. Hier wird ihr Widerstand gebrochen, damit sie den Freiern zu Diensten ist. Doch Gangas rebellischer Geist gibt keine Ruhe. Notgedrungen akzeptiert sie die Situation, wendet sie aber zu ihrem Vorteil und wird zur gefürchteten Gangubai, Beschützerin der Prostituierten. Sie verbündet sich mit dem Mafiaboss des Viertels und erhebt als erste Frau ihre Stimme für die Rechte der Sexarbeiterinnen und ihrer Kinder. Ihr mutiger Emanzipationskampf in einer extrem rückständigen Männergesellschaft führt sie bis zu Jawaharlal Nehru, dem ersten Premierminister des unabhängigen Indien.

Die Kino-Termine im Überblick

Trailer zu GANGUBAI KATHIAWADI:

Alia Bhatt gab auch der ISHQ ein Interview, welches in der Ausgabe 176 erscheinen wird, aber ein paar Schnipsel daraus und aus der Pressekonferenz beim internationalen Filmfestival wollen wir hier vor dem Filmstart schon einmal teilen.

„Man könnte sagen, dass Sanjay Sir eine Vision hatte, wie er mich verwandeln wollte. (…) Ich glaube, das sah er als Herausforderung.“

Alia Bhatt im ISHQ Interview

Sanjay Leela Bhansali ist einer der bedeutendsten Regisseure des indischen Kinos mit einem sehr eigenen, opulenten Stil und markanter Filmmusik, die er inzwischen auch selbst komponiert. Seine Literatur-Verfilmung DEVDAS mit Shah Rukh Khan und Aishwarya Rai-Bachchan feierte 2002 Premiere beim Filmfestival in Cannes und er wurde schon mit vielen Preisen ausgezeichnet. Auch Alia Bhatt (GULLY BOY, DEAR ZINDAGI) träumte schon lange einmal in einem seiner Filme mitzuspielen. In Berlin erzählte sie, dass sie bereits als 9jährige für BLACK (2009) vorgesprochen hatte, aber damals sei sie nicht gut genug gewesen. Bhansali sah jedoch schon etwas in ihr und als es um die Besetzung von GANGUBAI KATHIAWADI ging, wollte er die inzwischen sehr erfolgreiche Schauspielerin für eine Rolle, in der Viele sie wohl nicht gesehen hätten. „Man könnte sagen, dass Sanjay Sir eine Vision hatte, wie er mich verwandeln wollte,“ erzählt sie im Interview. „Er kennt meinen Hintergrund und weiß, dass die Person, die ich bin, sich sehr von dieser Person unterscheidet. Und ich glaube, das sah er als Herausforderung.“

Das komplette Interview mit Alia Bhatt erscheint in der ISHQ 176.

Der Regisseur erzählte außerdem, dass sie erst ihre Tasche geschnappt hätte und gegangen sei, als er ihr diese Rolle anbot und er dachte schon, er müsste eine neue suchen, aber dann sei sie am nächsten Tag wieder gekommen und hätte gesagt: „Okay, gut. Sag mir, was ich tun soll.“ Sie habe aber dann die Figur auch selbst entwickelt, ohne viele Anweisungen von ihm. Bhansali war außerdem noch gar nicht bewusst, was für eine gute Tänzerin Alia Bhatt ist, dabei ist das ein durchaus wichtiger Aspekt seiner Filme, die weltweit von Fans nachgetanzt werden. In Berlin überschlug er sich dann regelrecht mit seinem Lob speziell für Bhatts Leistung in dem Lied, worin sie ein weißes Kleid trägt. „Das sind wirklich Gänsehaut-Momente. Da haben wir Transzendenz und es geht plötzlich in eine andere Welt. Für sie ist es tatsächlich so gewesen, dass die Kameras und die Scheinwerfer gar keine Rolle mehr spielten. Sie war ganz und gar in diesem Song und ich werde diesen Moment wohl nie vergessen. Es ist eine fantastische Szene und ich glaube, das war wirklich das Beste, was ich jemals von einem Schauspieler oder einer Schauspielerin gesehen habe.“ Sie selbst sieht sich generell eher als durchschnittliche Tänzerin, ist aber auch stolz auf ihre Arbeit in diesem besonderen Song.

Der „Dholida“ Song aus GANGUBAI KATHIAWADI:

„Es ist eine fantastische Szene und ich glaube, das war wirklich das Beste, was ich jemals von einem Schauspieler oder einer Schauspielerin gesehen habe.“

Bhansali auf der Berlinale Presse-Konferenz

Auf der Pressekonferenz zeigt sich Sanjay Leela Bhansali auch dankbar, dass ein Journalist von einem indischen Film und nicht von „Bollywood“ spricht. Er findet den Begriff nämlich merkwürdig und denkt auch, dass er die Film-Industrie seines Landes sehr einschränkt. Schließlich steht Bollywood auch nur für Hindi-Filme und außerdem passt auch sein GANGUBAI KATHIAWADI nicht zu den Klischee-Vorstellungen, die im Ausland noch immer vorherrschend sind. Es mag zwar Songs geben, aber es ist keine Liebesgeschichte, sondern es geht um Emanzipation und das angesiedelt in den 60er Jahren in einem Rotlichtviertel Bombays. Auch Geschichten über die Mafia sind in Indien sehr populär und selbst für Bhansali nichts Neues. Schon in seinem Film RAM LEELA zeigte er eine skrupellose Matriarchin, gespielt von Supriya Pathak. Er hatte schon immer starke Protagonistinnen in seinen Filmen und Gangubai reiht sich da ein mit Sätzen wie solchen: „Wenn Frauen die Verkörperung von Macht, Reichtum und Intelligenz sind, was gibt diesen Männern dann das Gefühl, überlegen zu sein?“

Von Gangubai hat Alia Bhatt außerdem Folgendes gelernt: „Es ist in Ordnung, wenn Leute nicht von dir beeindruckt sind und dich nicht wirklich mögen, weil es wirklich keine Rolle spielt.“ Man habe dann auch nicht mehr diesen Druck, es anderen recht machen zu wollen, findet sie. Das klingt doch ziemlich befreiend.

Der Erwartungs-Druck bei GANGUBAI KATHIAWADI ist allerdings groß. Der Film ist nun einer der ersten großen Starts nach der Lockerung der Schutz-Maßnahmen in Indien und musste auch unter Covid-Bedingungen fertig gestellt werden. Aber er wurde natürlich fürs Kino gemacht und gehört auf die große Leinwand. Die krisengebeutelte Film-Industrie in Indien drückt daher nun fest die Daumen, dass er das Geschäft wieder beleben kann. Auch der deutschsprachige Markt für indische Filme könnte einen Erfolg gut gebrauchen.

Video: Tatiana Rosenstein / Ausschnitte: Sanjay Leela Bhansali Productions

Bild: Gangubai Kathiawadi (Sanjay Leela Bhansali Productions / Viacom 18) / Premieren-Foto: ANTONIO CASTELLO

Berlinale-Pressekonferenz zu GANGUBAI KATHIAWADI in voller Länge:
https://www.berlinale.de/de/fotos-videos/videos/vod-in-voller-laenge_133358.html

Das Album von GANGUBAI KATHIAWADI auf Spotify: